Anflug

ICAO-Kennung: EDOX

Zulassung: als Sonderlandeplatz bis 2t und für An-2.

Bahn: Grasbahn, Bahnlänge 1000m x 30m als RWY 07/25, Höhe 94m ü. NN

Betriebszeiten: PPR unter Tel +49 34954 39196 oder Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Kraftstoff/Öl: PPR (MOGAS / Super 95 / Diesel)

Unsere Koordinaten: 51°35'35" N 12°14'14" E

Achtung: Bitte den Überflug von Renneritz aus Lärmschutzgründen vermeiden. Weiterhin befinden sich südlich des Platzes Windenergieanlagen mit Blattspitzen bis 200m AGL.

 

Geschichte

Als 1954 auf einer bei Renneritz gelegenen Abraumfläche des ehemaligen Braunkohletagebaues "Freiheit III" sich die ersten Segler für kurze Zeit in die Luft erhoben, gab es bereits 3 Jahre Luftsport im damaligen Bezirk Halle.

1951 gründeten sich, hervorgegangen durch die FDJ (Freie Deutsche Jugend, Jugendorganisation der DDR), die beiden "Interessengemeinschaften Segelflug" in Wolfen und Bitterfeld. Beide waren in den ortsansässigen Großbetrieben Filmfabrik (AGFA) und EKB (Elektrokohle Bitterfeld) zu Hause. Man kann es vorwegnehmen, eine Zusammenarbeit die über die ganzen Jahre erhalten blieb. In Wolfen und Bitterfeld wurde der theoretische Unterricht durch beide Gruppen getrennt organisiert. Zum Fliegen ging es dann ab 1952 an den Wochenenden nach Gröbzig. Gröbzig bei Köthen auf dem Akazienberg. Das war die Wiege der praktischen Fliegerei im Bezirk Halle. Fluglehrer, die in Gröbzig die jungen "Talente" am Gummiseil schulten, wurden erst einmal selbst zu Fluglehrern in Laucha ausgebildet.

Zu diesem Zeitpunkt wurde auf dem "Schulgleiter" (SG 38) das Fliegen erlernt. Einem einsitzigen Segler, welcher in Lommatsch bei Meißen gebaut wurde. Später kamen dann aus diesem Werk zum Beispiel das Grunau Baby II b, die Meise, der Lehrmeister FES-530 und die Libelle. Der Schulgleiter wurde zwischen den Wochenenden; man soll es nicht glauben, in einem benachbartem Dorf in einer Scheune, zur Freude des anwesenden Federviehs, untergestellt. Da sich Gröbzig als äußerst umständliche und nicht längerfristige Maßnahme herauskristallisierte, ging man 1953 auf den wieder neu eröffneten Flugplatz nach Dessau. Dort gab es nicht nur ein Flugplatzgelände und eine Winde, die durch die Mithilfe des Waggonbau Dessau gebaut wurde, sondern auch eine geräumige Halle, welche noch aus einer "vergangenen" Zeit stammte. Zu diesem Zeitpunkt also ideale Bedingungen. Diese Halle gibt es im Original heute noch. Auch der Flugplatz hat nach der Wende nun als Verkehrslandeplatz wieder seinen Betrieb aufgenommen.

In Dessau schulte man einsitzig an der Winde und organisierte es so, daß an einem Wochenende die Dessauer flogen und am anderen die Wolfener und Bitterfelder. Doch wie sollte es anders sein. Theorie in Wolfen, Praxis in Dessau. Irgendwann war man der Herumreiserei müde und so wurde der Gedanke geboren sich doch einmal nach einem geeigneten Fluggelände in der Bitterfelder Umgebung umzuschauen. Der Segelflieger und Modellfreund, Josef Kampa aus Roitzsch ist es wohl, den man als den "Finder" unseres Renneritzer Flugplatzes nennen muß. Vielleicht gab es bessere Flächen als dieses aufgeschüttete Tagebaugelände, vielleicht war es aber auch aus diesem Grund die beste Lösung.

Nach vielen gemeisterten bürokratischen Hürden, wie Eigentumsfragen und Zulassung zum Fluggelände, rückte der Tag des ersten Fluges auf dem Flugplatz Renneritz immer näher.

Es war der 1. Mai 1954 an dem Flugplatzgeschichte geschrieben wurde. Herman Dietz aus Laucha wurde beauftragt auf dem Gelände "Testflüge" durchzuführen. Wie sich schnell herausstellte, erfolgreich. Er reiste allein zu diesem Zweck mit einem Flugzeug aus Laucha an. Einen Flugbetrieb wie wir ihn heute kennen gab es aber 1954 nicht, nur ein paar Flüge zum Test.

Die Ausbildung in Dessau hingegen lief parallel weiter. Ein Fluggelände war gefunden, nun galt es, sich auch eine neue Heimat zu schaffen, sprich erbauen.

Da ein solcher Bau die Möglichkeiten der Flugsportler übertraf, wurde hierzu eine Firma beauftragt. Die Flieger hingegen leisteten Wochenendeinsätze in der ehemaligen Ziegelei Friedersdorf, um die Finanzierung günstiger zu gestalten. Neben dem Hallenbau wurde auch eine Garage für die Winde geschaffen, unser heutiges Tanklager.

In der Flughalle spielte sich alles ab. Flugleitung, Unterkunft und Unterstellmöglichkeit für die Flugzeuge. Auch hier war es nur eine Frage der Zeit, bis alles aus den Nähten platzte. Es mußte ein Sozialgebäude her!

1966 wurde es geplant. Im selben Jahr wurde noch mit dem Bauen, diesmal in Eigenregie, begonnen und am 16. Oktober 1970 war Einweihung.

Zur Einweihung gab es für jedermann eine Bauchronik in humorvollen Reimen vom alten Fliegerkameraden Jochen "Jäckchen" Neumann geschrieben, die mit den Worten endete:

Der Jugend soll das Haus nun dienen.
Dem Vogel gleich, der hoch sein Nest gebaut.
Hier lernen, junge Menschen fliegen
und werden der Natur vertraut. 

Sie lieben ihre Heimat 
und kämpfen im Wind
Sie kämpfen für Frieden
weil Flieger Sie sind.

In den folgenden Jahren entwickelte sich der Flugplatz und seine Mitglieder "prächtig". Es gab großen Zuspruch an dieser Sportart, so das die Mitgliederzahl stark anstieg.

Man konnte diese Entwicklung auch in der Statistik ablesen.

Renneritz rangierte im Wettbewerb der halleschen Flugplätze zunächst auf dem letzten Rang und später immer mit an der Spitze. Mit der fliegerischen Freiheit, wie wir sie heute kennen, war es aber leider nicht so toll bestellt. Gemeint ist damit, daß es in der damaligen DDR-Zeit nicht möglich war einfach, wann man wollte, in die Luft zu steigen. Der Luftraum mußte durch die Flugüberwachung frei gegeben sein. So wurde eine Monatsplanung abgegeben, welche dann am jeweiligen Tag per Telefon bestätigt wurde oder, wie in vielen Fällen, auch nicht. Und sollte einmal nicht geflogen werden können, so gab es doch immer etwas zu tun. Sei es nun der Platz, der Pflege brauchte, oder die Technik. Und daran hat sich bis heute nichts geändert!

Wurden diese Einschränkungen in den folgenden Jahren auch immer beklemmender, so konnten sie doch nicht die Lust und Freude an der Fliegerei beschränken! Doch bleiben wir noch bei den Anfängen der Fliegerei in Renneritz. Ein großes Hindernis für die Ausbildung war die fehlende Verständigung zwischen Flugschüler und seinem Lehrer während des Fluges. Der Flugschüler konnte also von seinem Fluglehrer keine Hinweise für seinen Flug in der Luft erhalten und war damit von Anfang an auf sich selbst gestellt. Eine Auswertung des Fluges gab es nach der Landung. Dies machte natürlich das Fliegen auch nicht leichter und so mußte man sich schon etwas vor dem ersten "Rutscher" einfallen lassen.

Wollte also ein Flugschüler auf dem SG 38 seine ersten Flugversuche unternehmen, so mußte er erst einmal dem Fluglehrer beweisen, daß er sein theoretisches Wissen auch in die Praxis umsetzen kann. Das Problem war ja, im Gegensatz zu heute, das es nicht möglich war, einen Fluglehrer mitzunehmen, die damalige Technik war einfach noch nicht so weit. Man bediente sich zu diesem Zweck eines einfachen Hilfsmittels. Man stellte den Segler auf einen sogenannten Pendelbock, auf dem man bis zum ersten Flug bereits ca. 2 Stunden geübt hatte, und bewies, das man die nötigen Bewegungsabläufe für die Steuerung richtig organisieren konnte und das ohne Hilfe. In den folgenden Jahren entwickelte sich die Fliegerei rasant weiter. Ende der 50er Jahre war es möglich geworden die Doppelsitzerausbildung durchzuführen. Und Mitte der 70er Jahre gab es dann auch endlich Funk in den Flugzeugen. Das machte das Fliegen wesentlich sicherer. Standen auch Fallschirme in den Anfangsjahren nicht zur Verfügung, so wurden sie doch später eingesetzt und sind bis heute nicht mehr wegzudenken.

Dieses wichtige Rettungsgerät ist jedoch in der 50-jährigen Geschichte des Platzes nie zum Einsatz gekommen! Und darauf sind wir stolz!

Zum Flugplatz selbst gehören natürlich auch ein Verein und seine Mitglieder!

Und damit schauen wir einmal in die jüngste Vergangenheit und in die Zukunft.

Seit 1990 ist der "Segelflugverein Wolfen e. V." auf dem Flugplatz Renneritz zu Hause. Warum nun Segelflugverein Wolfen und nicht Renneritz?! Nachdem sich nun die "alte Zeit" 1989 verabschiedete und eine Neue begann, mußten die Flieger für die aufgelöste GST (Gesellschaft für Sport und Technik, der der Flugplatz samt Flugzeugen zugehörte) in die neue Rechtsform einsteigen. Und so gab es 1990 in Wolfen eine Gründungsversammlung, auf der mit der Satzung dieser Namen gemeinsam beschlossen wurde. Hierbei wurde berücksichtigt, daß die Stadt Wolfen immer die meisten Mitglieder hervorbrachte und daß es ohne die langjährige Unterstützung durch die Wolfener Großbetriebe, ORWO ist hier besonders zu erwähnen, eine Entwicklung des Flugplatzes und des Sports, wahrscheinlich nicht gegeben hättet! Dem Verein gehören heute 65 Mitglieder an. Der jüngste Flugschüler ist 14 Jahre alt und der älteste stolze 69! 1994 endete auch das größte "bürokratische" Handikap, welches der Verein nach 1989 durchzustehen hatte.

Im Juli 1994 wurden durch die Treuhandanstalt Berlin der Flugplatz an die Gemeinde Renneritz übergeben und damit der Weg frei gemacht, mit einem Pachtvertrag eine Ausübung unseres schönen Sports langfristig möglich zu machen. Dem Vorangegangenen waren im Mai des gleichen Jahres die Übergabe der Segelflugzeuge in Vereinseigentum. Im Besitz des Vereins befinden sich zum heutigen Zeitpunkt 7 Segelflugzeuge. Davon sind 4 Segler in Holz- und drei Segler in moderner Kunststoffbauweise. 1993 wurde in der Geschichte des Vereins und des Flugplatzes zum ersten mal ein Segler getauft.

Da die Städte Wolfen und Witten (Ruhrgebiet) Partnerstädte sind, lag der Gedanke nahe, sich nach einem Partnerverein umzuschauen. Und so trafen sich 1991 Franz Fodor und Walter Frese, um diese Partnerschaft zu besiegeln. Seither hat es viele Besuche untereinander gegeben. Gemeinsame Fliegerlager sowohl in Renneritz, als auch auf dem heimischen Segelflugplatz der Wittener in Kamen, sind nur eine Form der Partnerschaft. Die vielen Besuche untereinander, haben auch viele Freundschaften hervorgebracht. 

Unser Verein stand und wird immer allen Luftsportbegeisterten offenstehen, die bereit sind, den Luftsportgedanken fortzuführen. Das bedeutet wie kaum in einer anderen Sportart, Kameradschaft und Zusammenarbeit!

Anfahrt

Anfahrt aus Richtung A9 oder aus Richtung Halle:

Fahren Sie Richtung Bitterfeld und biegen links Richtung Glebitzsch bei den Windkraftanlagen ab. Die nächste Kreuzung rechts abbiegen und nach ca. 500m den Feldweg rechts rein.

 

Anfahrt aus Richtung Bitterfeld:

Fahren Sie Richtung Halle/A9 und biegen nach dem Abzeweig Richtung Roitzsch nach links Richtung Glebitzsch ab. Die nächste Kreuzung rechts abbiegen und nach ca. 500m den Feldweg rechts rein.

 

Anfahrt aus Richtung Leipzig:

Fahren Sie die B184 durch Delitzsch durch Richtung Bitterfeld. Wenn die B184 auf die B100 mündet (an der Ampel) beigen Sie bitte Links ab Richtung A9 bzw. Halle. Nach dem Abzweig Richtung Roitzsch nach links Richtung Glebitzsch ab. Die nächste Kreuzung rechts abbiegen und nach ca. 500m den Feldweg rechts rein.

 

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